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Gletscher, Island

Alles, was Sie über Islands Gletscher wissen müssen

Was ist ein Gletscher?

Ein Gletscher besteht aus gefallenem Schnee, der über viele Jahre, oft Jahrhunderte, in eine dicke und feste Schicht Eis gepresst wurde. Das Eis ist aufgrund des eigenen Gewichts ständig in Bewegung. Das sorgt dafür, dass der Gletscher langsam deformiert wird und sich Gletscherspalten, Brüche und andere spezielle Formationen bilden. Gletscher können sich nur auf Land bilden und bedecken etwa 1/10 der Erdoberfläche. Gletscher tragen das größte Reservoir an Trinkwasser der Welt. Sie wachsen während des Winters und schrumpfen im Sommer. Gletscher haben einen massiven Effekt auf das Land, da sie Schluchten formen und die Erde schieben und bewegen. Gletscher sind jedoch auch durch den Klimawandel betroffen. Dies trifft vor allem auf Island zu, wo Vulkanausbrüche und Erdbeben die Gletscher formen und verändern können.

Wie werden Gletscher gebildet?

Solheimajokull-glacier-Iceland

Ein Gletscher bildet sich dann, wenn Schnee das ganze Jahr über an der gleichen Stelle liegt. Über die Zeit verändert sich der Schnee in Eis, jedes Jahr kommt dann eine neue Schicht hinzu, die die alte Schicht komprimiert. Diese Komprimierung zwingt den Schnee dazu wieder kristallförmig zu werden und bildet dadurch Körnchen. Diese Körnchen ähneln Zucker. Mit der Zeit werden diese Körner größer und die Luft dazwischen immer weniger. Das sorgt dafür, dass der Schnee komprimiert und fest wird.

Innerhalb von 2 Jahren bildet sich sogenannter Firnschnee. Die ist das Stadium zwischen Schnee und Gletschereis. Firnschnee ist etwa 2/3 so dicht wie Wasser. Die Dichte wird immer größer, was dafür sorgt, dass die Eiskristalle größer und die Luftlöcher kleiner werden. Wenn der Gletscher sehr alt ist, können die Kristalle mehrere Centimeter groß sein. Dies passiert allerdings erst ein paar Hundert Jahre nach Beginn des Prozesses.

Welche Gletscherarten gibt es?

Berggletscher
Diese Gletscher entwickeln sich in hohen Bergregionen. Sie fließen oft aus Eisfeldern, die sich meistens über ganze Gebirge erstrecken. Die größten Berggletscher findet man im Himalaja in Nepal, den Anden in Südamerika, im arktischen Kanada und in Alaska, Nordamerika.

Talgletscher
Talgletscher liegen oft in Tälern und sind meistens sehr lang. Oft werden sie als Zunge beschrieben. Die Gletscher fließen oft bis unter die Schneegrenze und manchmal bis auf das Seelevel. Wenn ein Talgletscher bis zum Meer fließt, werden sie auch Gezeitenwasser-Gletscher genannt. Von ihnen stammen meistens die Eisberge im Meer.

Vorlandgletscher
Vorlandgletscher sind Gletscher, die flach aus relativ steilen Tälern fließen. Oft verbreiten sie sich in Glühbirnen-förmige Flügel.

Kargletscher
Diese Gletscher findet man oft in hohen Gebirgen, sie tendieren dazu, eher breit als lang zu sein. Sie bekommen ihren Namen von ihrer schüsselartigen Form.

Gletscherschürzen
Gletscherschürzen sind meistens relativ klein und liegen am Rande von Bergen. Oft sind sie eher breit als lang. Diese Gletscher findet man oft in den Alpen oder Neuseeland. Sie sind außerdem dafür bekannt Lawinen auszulösen.

Blockgletscher
Wenn Gletschereis von Geröll bedeckt ist, formen sich sogenannte Blockgletscher. Oft findet man sie in steilen Tälern, in denen sowohl Geröll als auch Erde auf den Gletscher fallen können.

Eisdecken
Diese Art existiert heute nur noch in Grönland und der Antarktis. Es sind gigantische Kontinentalmassen aus Eis und Schnee, die sich über 50.000 Kilometer oder 19.305 Quadratmeilen erstrecken. Eisdecken konnte man früher auch in Kanada und Skandinavien finden, heute sind sie allerdings bis auf einige Schneeberge und Berggletscher verschwunden.

Eisflächen
Dies sind im Grunde Eisdecken, die auf Wasser schwimmen. Die Länge schwankt zwischen ein paar Hundert Metern bis zu über einem Kilometer oder 0.62 Meilen. Eisflächen umgeben meistens den antarktischen Kontinent.

Eiskappen
Eiskappen sind im Prinzip Miniatureisdecken. Sie bedecken weniger als 50.000 Kilometer oder 19.305 Quadratmeilen. Sie formen sich meistens in subpolaren und Polargebieten, die hoch, aber flach sind.

Eisfelder
Sie sind den Eisflächen sehr ähnlich unterscheiden sich aber darin, wie sie fließen. Das Fließen der Eisfelder wird durch die darunterliegende Topografie beeinflusst. Normalerweise sind sie auch kleiner als Eiskappen. Langjökull, der zweitgrößte Gletscher in Island, ist ein Beispiel für ein Eisfeld.

Eisflüsse
Eisflüsse sind enorme Massen an fließendem Eis, die sehr sensibel auf Veränderungen reagieren. Das beinhaltet zum Beispiel den Schwund an Eisflächen an ihrer Endstelle oder der sich ändernden Menge des Wassers, das unter ihnen fließt. Eisflüsse sind sehr groß und befinden sich innerhalb einer Eisdecke. Daher sind sie von Eis umgeben, das sehr langsam fließt.

Was ist mit Gletschern und dem Klimawandel?

Gletscher werden stark durch den Klimawandel beeinflusst. Diese einzigartigen Kristallformationen verlieren immer schneller an Volumen. Seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert sind mehr als 2/3 der Eisdecke in den Pyrenäen geschmolzen, das meiste nach 1980.
Satellitenbilder zeigen, dass der Helheim-Gletscher in Grönland sich zwischen 1950 und 2000 nicht verändert hat. Dennoch, im Jahre 2005 verlor der Gletscher etwa 33 Meter seiner Größe am Tag. Manche Gletscher haben ihre Bezeichnung verloren, da sie nicht mehr die entsprechenden Bedingungen erfüllen. Klimawandel-Experten sagen das Verschwinden vieler weiterer Gletscher in den nächsten 20 Jahren voraus.

Klimawandel in Island

In 2014 konnte der isländische Gletscher Okjökull nicht mehr als ein solcher identifiziert werden. Er ist zu klein geworden, um sich unter seinem eigenen Gewicht zu bewegen – etwas, dass ein Gletscher tun muss!
Hier können Sie sehen, wie sehr Okjökull im letzten Jahrhundert geschrumpft ist. Die rote Linie zeigt, wie der Gletscher 1980 aussah, die grüne ist von 1945 und die lilafarbene von 2012. Foto von Vísindavefurinn.

ok glacier in iceland okjokull glacier iceland

Die Anzahl von Eisbären, oder eher das Fehlen der Eisbären im Ganzen ist ein deutliches Anzeichen dafür, wie sehr sich Island durch den Klimawandel verändert. Wir müssen uns nur das Landnámabók (Das Buch der Siedler), eine isländische Sage, anschauen, um zu sehen, dass Eisbären das Packeis von Grönland überquert haben und zur isländischen Küste geschwommen sind, und dies seit Urzeiten. Während des tiefen Winters in 1917/18 wurden 21 Eisbären gezählt und es müssen in der Vegangenheit noch mehr gewesen sein. Experten sagen, dass mindestens ein bis zwei Bären pro Jahr diese Reise antreten. Seit 2000 hat die Reduzierung des Packeises dafür gesorgt, dass keine Eisbären mehr nach Island kommen. In 2016 hat es bloß eine Eisbärin geschafft nach Island zu schwimmen und war damit die Erste seit Jahren.

Was geben Gletscher uns?

Wenn Leute gefragt werden, womit Sie den Verlust von Gletschern verbinden, ist die erste Antwort meistens die Zerstörung von purer, einzigartiger und wunderschöner Natur. Hoffentlich sind wir uns alle einig, dass die Erhaltung dieser großartigen Wildnis auf der Erde eine Frage höchster Dringlichkeit ist.
Es steht weit mehr als der Verlust von Schönheit auf dem Spiel. Die Gletscher und das Meerwasser spielen eine extrem wichtige Rolle, wenn es darum geht, den Klimawandel aufzuhalten. Gletscher und Meereis reflektieren die Hitze weg von der Erde, daher verhindern sie tatsächlich die globale Erwärmung. Gletscher und Meereis fördern einen Mechanismus, der die Geschwindigkeit der globalen Erwärmung verlangsamt und damit das Ökosystem schützt. Gletscher geben uns sehr viel mehr als die Meisten realisieren!

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